Wie kriminell ist die Jugend in Deutschland?
Kriminalität gehört bei vielen Jugendlichen zum Alltag. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl nicht um brutale Gewalttaten, sondern um etwas wie Sachbeschädigung, Schwarzfahren, Klauen im Kaufhaus oder Haschischrauchen. Betrachtet man die Zahlen, so ist die Jugendkriminalität seit 1998 gleich geblieben. Diebstahl ging zurück, dafür stieg der Anteil der Körperverletzungen. Gewalt ist ein ernstes Problem an Haupt- und Berufsschulen.
Das Risiko der Entstehung von Jugendgewalt erhöht sich drastisch, wenn drei Faktoren zusammentreffen:
- Die Erfahrung innerfamiliärer Gewalt
- Gravierende soziale Benachteiligung der Familie
- Schlechte Zukunftschancen aufgrund eines niedrigen Bildungsniveaus
Umgang mit aggressiven Jugendlichen
In Deutschland sind Jugendliche vom 14. Lebensjahr an strafmündig. Das Jugendstrafrecht kann bis zum Alter von 21 Jahren verwendet werden, wenn das Gericht glaubt, dass sich der Angeklagte noch in der Entwicklungsphase befindet. Als Alternative kann zwischen Erziehungsmaßregeln wie zum Beispiel Sozialstunden im Altenheim, Jugendarrest und Jugendstrafe gewählt werden. Zu den neueren Maßnahmen gehört der Täter-Opfer-Ausgleich, bei dem sich der Täter mit seinem Opfer in Gesprächen auseinandersetzen muss.
Noch beträgt die Höchststrafe für Jugendliche in der Regel 10 Jahre Haft, doch immer mehr Politiker wollen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts.
Kriminologen beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge. Die Bevölkerung glaubt, Wegsperren Hilft. Dabei belegen Studien, dass nach einer Jugendhaft die Rückfallquote bei 78 Prozent liegt. Auch die Meinung, dass harte Strafen abschrecken, ist schon seit Jahrzehnten widerlegt, da Jugendliche keine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, bevor sie eine Straftat begehen.
Statt in Gefängnisse, sollten Politiker lieber in Jugend- und Bildungspolitik investieren. Denn die beste Vorbeugung gegen Gewalt ist, Jugendlichen faire Zugangschancen zu Bildung und Arbeit zu ermöglichen, damit sie eine Zukunftsperspektive haben.
Viele Schulen tun aber schon etwas gegen Jugendgewalt. Zum Beispiel sind bereits in vielen Berliner Schulen so genannte Konfliktlotsen im Einsatz. Diese Konfliktlotsen sind Schüler, die als Streitschlichter ausgebildet wurden. Sie werden zum Beispiel darauf trainiert, verdeckte Gemeinheiten unter ihren Mitschülern zu entdecken. Unterstützt werden die jugendlichen Streitschlichter durch erwachsene Mediatoren. Aber die Streitschlichter sind keine Garantie dafür, dass die Konflikte an den Schülen friedlich gelöst werden. Aber immerhin schauen sie hin wenn etwas passiert und sorgen so für mehr Offenheit an Schulen.
Entwicklung und Ursachen von Jugendgewalt
Bei den Ursachen, warum Jugendliche gewalttätig werden, lassen sich verschiedenste Gründe ausmachen. Wer zu Hause in der Familie Gewalt als Konfliktlösung erlebt, schlägt als Jugendlicher selbst auch eher zu. Und Gruppenzwänge, unstrukturiertes Freizeitverhalten und Langeweile kann sich auch als Gewalt entladen.
Die Gewöhnung an Aggression und Brutalität durch den längerfristigen Konsum (z.B. Fernsehen) kann bei Jugendlichen ebenfalls Hemmschwellen absenken.
Vielfältig wie die Ursachen sind auch die Erscheinungsformen der Jugendgewalt. Die Gewalttaten reichen von sinnloser Aggression, Bedrohung, Körperverletzung und Sachbeschädigung bis hin zu Diebstahl und Erpressung. Meistens sind die Opfer ebenfalls junge Menschen. Jugendliche sind somit nicht nur als Täter, sondern auch als Opfer betroffen. Kinder und Jugendliche haben ein zwei- bis dreimal häufigeres Risiko, Opfer von Straßenraub und Körperverletzungsdelikten zu werden als erwachsene Personen.
Eine wirksame Bekämpfung der Gewaltkriminalität bei Jugendlichen gehört zu den wichtigsten Herausforderungen der Politik. Auf der Suche nach Lebensinhalten und Vorbildern brauchen Jugendliche Halt und Orientierung. Eine zentrale Schlüsselrolle der Gewaltbekämpfung ist die Familie. Hier sollten die Grundlagen für ein gutes Sozialverhalten durch gewaltfreie Konfliktlösungen und das Fördern des Selbstwertgefühls von Jugendlichen gelegt werden.